22. Januar 2020

Michael Nigusse Andebirhan aus Eritrea ist Krankenpfleger in Neunkirchen


Michael Nigusse Andebirhan aus Ertrea ist nach jahrelanger Flucht in Neunkirchen gelandet. Dort hat er eine Ausbildung als Krankenpfleger absolviert.

Aus Eritrea geflüchtet, auf der Suche nach Schutz vor Krieg, Willkür und Unterdrückung, landet Michael Nigusse Andebirhan nach jahrelanger Flucht in Neunkirchen. Er beginnt ein neues Leben als Krankenpfleger im Diakonie Klinikum (DKN). Seit Oktober ist er dort fest angestellt, nachdem er eine Ausbildung an der Fachschule des Klinikums absolviert hat.

Wir treffen den 41-Jährigen während seiner Frühschicht und möchten wissen, wie er seinen Weg ins Saarland gefunden hat. Immer wieder hält er inne, als er seine Geschichte erzählt. Er muss sich sammeln - zu viele Erinnerungen wühlen ihn auf. Im Aufenthaltsraum der urologischen Station im Diakonie Klinikum Neunkirchen hat jeder Verständnis dafür. Alle Zuhörer sind sichtlich berührt von seinem Schicksal.

Vor acht Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, hier zu sitzen, ein Namensschild an der Brust, seine Frau und drei gesunde Kinder, die ihn nach der Arbeit zu Hause empfangen. 2011 war er noch Englischlehrer in der eritreischen Hauptstadt Asmara. Er ist damals schon verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes. Eritrea befindet sich zu dieser Zeit in diktatorischer Hand. Ohne Ankündigung griff das Militär immer wieder auf Michael zu, kommandierte ihn zum nationalen Dienst ab, schickte ihn zum Kämpfen in den Krieg. Keine Zukunft für Michael und seine kleine Familie. Doch eine Flucht, ohne Ziel, mit einem Neugeborenen? Undenkbar. Also will er sich alleine durchkämpfen, will sie nachholen, sobald er in Sicherheit ist. Er macht sich auf den Weg. Eine seiner Schwestern lebt in der Schweiz, vielleicht schafft er es bis dorthin.

Erste Station: Sudan. Nach kurzer Zeit im Flüchtlingslager geht es weiter nach Libyen. In Tripolis schafft er es auf das Mittelmeer, überlebt die gefährliche Überfahrt nach Sizilien. Was hier in zwei Sätzen zusammengefasst ist, dauert tatsächlich zwei Jahre. In Italien angekommen, konnte er zum ersten Mal ein Lebenszeichen nach Hause schicken. Seine Frau, sein Sohn, seine Eltern und sieben Geschwister warteten sehnlichst auf eine Nachricht. Er schafft es bis nach Rom: „Ich hatte keine Orientierung, wusste nicht richtig, wo ich bin und wo ich hin soll. Ich habe einfach junge Menschen auf der Straße angesprochen. Sie halfen mir, eine Schlafmöglichkeit zu finden.“ Ein Landsmann spricht ihn an, er gehe nach Frankfurt. Ob Michael mit ihm geht? „Ich hatte kein Ziel. Mein Ziel war Sicherheit, ich wollte meine Frau und meinen Sohn aus Eritrea schaffen.

Frankfurt war ein Anfang.“ Dort reist er mit dem Zug an, wird am Bahnhof von der Bundespolizei aufgegriffen. Sie bringen in nach Lebach, die zentrale Flüchtlingsaufnahmestelle im Saarland. Von dort aus wird er dann dem Landkreis Neunkirchen zugeteilt. Das war Weihnachten 2013. „Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll; ich war erschöpft und hatte keinen Plan. Die Kirche war mein Zufluchtsort“, erzählt Michael. Er ist katholisch, wie etwa die Hälfte der eritreischen Bevölkerung. „Immer wieder sah ich während meiner Predigt einen afrikanischen Mann, hinten in der Kirche. Aber sobald ich aus der Sakristei kam, war er verschwunden. Das ging wochenlang so, bis ich ihn endlich erwischt habe“, lacht Diakon Oswald Jenni aus der Kirchengemeinde St. Marien und klopft Michael auf die Schulter. Er und seine Kollegen, Freunde und Bekannte waren es, die Michael halfen, seine Frau und seinen Sohn nach Deutschland zu holen. Der Moment, als die kleine Familie sich nach drei Jahren Ungewissheit in die Arme nahm, war unbeschreiblich.

Jenni besorgte Michael einen Praktikumsplatz im Krankenhaus. In diesem Beruf kann Michael Menschen helfen. Neu gewonnene Freunde unterstützen ihn, Deutsch zu lernen. Viel Motivation hat der Eritreer auch während seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Diakonie Klinikum Neunkirchen an den Tag gelegt: Sein Examen hat er seit September in der Tasche. Es folgte die Festanstellung. Zu Hause wächst die Familie: nach Petros, (heute acht Jahre alt), folgten Magdalena und Veronica. Wenn Papa nachhause kommt, ist er zufrieden. Alle sind in Sicherheit.

von Petra Alles

 





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