28. März 2024

Was haben Eier eigentlich mit Ostern zu tun ?


Im vorchristlichen Heidentum wurde dem Osterei bereits eine große Rolle beigemessen. Weil das Hühnerei neues Leben birgt und erzeugt, galt es schon im alten Orient als Sinnbild für die Fruchtbarkeit.

Im Christentum wurde das Ei zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Von außen wirkt es kalt und tot, doch aus seinem Inneren erwächst neues Leben.

Somit stand das Ei symbolisch für das Grab in Jerusalem, aus dem Jesus Christus am Ostermorgen von den Toten auferstand.

Wie eine harte Schale ist das Grab umgeben von Stein und Fels. In der Mitte liegt der Leichnam des toten Jesus. Ganz eng. Ganz fest.

Die Schale schützt vor Eindringlingen. Sie bewahrt vor Grabräubern. Sie hält aber auch alle ab, die hinwollen, zu diesem Jeses, der da liegt. Wer an den Felsen klopft, hört, wie es dumpf und stumpf widerhallt. Alles ist aus. Da bewegt sich nichts mehr.

Ein Ei- das erinnert mich auch an viele Menschen und auch an manchen Lebensabschnitt bei mir selbst. Denn: Um wie viele Menschen hat sich auch so eine Schale gelegt? Wie viele Menschen leben in einem solchen „Grab“? Eine dicke Schale ist gewachsen. Sie liegt eng an unserem Körper. Sie schmiegt sich eng um unser Herz. Wir haben sie selbst angelegt. Wie ein Ritter seine Rüstung. Wir haben gemeint: Wir brauchen diese Schale – als Schutz. An ihm prallt ab, was uns verletzt, verstören und zerstören will.

Wer kennt sie nicht- so eine Schutzschale? Der Verlust der Arbeit schmerzt. Der Streit mit dem Partner reißt eine tiefe Wunde. Dass die Kinder nicht hören und sich so selten melden, tut weh. Dass meine Freundin nur an sich denkt und nicht merkt, wie schlecht es mir geht, schmerzt….

All das sind Zeiten in denen wir diese Schale, diesen Panzer entwickeln, um uns zu schützen und zu bewahren vor den Pfeilen anderer. Hinter dieser Panzerschale kann man sich bergen. Sie ist wie ein Schutzwall gegen Schmerz, gegen Verletzungen, gegen üble Nachrede.

Eine feste Schale gegen Sorgen. Nichts kann mich mehr treffen. Kein Gerede. keine Niederlage. Aber auch keine Freude. Kein Lachen. Keine Lust. Die Schale ist eben nur ein vermeintlich guter Schutz.

Hinter ihr wird man schnell einsam, misstrauisch, eingeengt. Manchmal fehlt die Luft zum Atmen. Ja, die Schale schützt, aber sie schützt eben auch vor dem Guten. Der helfenden Hand, dem, freundlichen Lächeln. Wer hinter solch einer Schale lebt, kann sich nicht entfalten.

So hat Gott sich unser Leben nicht gedacht. So wie er Jesus Christus nicht im Grab hat liegen lassen, sondern den Stein weggerollt hat, so möchte er auch uns aus unseren Schalen befreien.

Jesus Christus ist für uns gestorben und auferstanden. Er hat seine Liebe für uns darin zum Ausdruck gebracht. Wir brauchen keine Panzerschale mehr um unser Herz.

Eine alte Legende erzählt von Katharina von Alexandrien, die vom Kaiser verlacht wird, weil sie an Jesus Christus glaubt. Er stellt ihr eine scheinbar unlösbare Aufgabe: Erst wenn Sie ihm einen Stein bringt, der lebendig wird, will er ihr glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Katharina überlegt lange, bevor sie die rettende Idee hat: Sie bringt dem Kaiser ein fast ausgebrütetes Entenei, das aussieht wie ein Stein.  Gerade als sie es ihm hinhält, beginnt das kleine Küken daraus zu schlülpfen. Aus dem vermeintlichen toten Ei, das wie ein Stein aussah , kam Leben hervor.

Ich wünsche ihnen zu Ostern ganz viel aufbrechende (Eier-) Schalen, Weite, Raum und Auferstehungshoffnung.

Ihr Pfarrerin Gabi Kräuter

 

 





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