27. März 2025

Evangelische Kirchenmitgliedsstatistik 2024 im Saarland: Regionale Unterschiede zum Bund


Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die kirchliche Statistik der Mitglieder und Amtshandlungen für das Jahr 2024 veröffentlicht. Obgleich auch im Saarland die Zahlen der evangelischen Kirchenmitglieder insgesamt weiter rückläufig sind, können hinsichtlich der Amtshandlungen in den Evangelischen Kirchenkreisen Saar-Ost und Saar-West Unterschiede zum Bundestrend festgestellt werden.

Weniger evangelische Bestattungen

So ging die Zahl evangelischer Bestattungen im Saarland deutlich stärker zurück als im bundesdeutschen Mittel (minus 2,8 Prozent). 2024 fanden in beiden saarländischen Kirchenkreisen ungefähr zehn Prozent weniger kirchliche Bestattungen statt als noch im Jahr davor (Saar-Ost: minus 10,5 Prozent, Saar-West: minus 9,5 Prozent).

Taufen: Besondere Angebote bringen Nachfrage

Regional sehr unterschiedlich gestaltete sich die Entwicklung der Taufen in beiden Kirchenkreisen. Im Kirchenkreis Saar-Ost fanden 63 Taufen weniger statt als noch 2023 (minus 21 Prozent). Die Reduktion liegt damit noch ein wenig über dem Bundesdurchschnitt (minus 19,2 Prozent). Zwar fanden auch im Kirchenkreis Saar-West 2024 weniger Taufen statt als im Jahr davor, doch fiel im flächenmäßig größeren Kirchenkreis zwischen Mettlach und Saarbrücken der Rückgang erheblich geringer aus. Gerade einmal 22 Taufen mehr waren es noch 2023 (minus 5,7 Prozent), sodass von einer regulären jährlichen Schwankung gesprochen werden kann. In mehreren Gemeinden stieg die Zahl der Taufen entgegen dem Trend sogar teils deutlich an.

„Wir stellen fest: An Orten, an denen Gemeinden besondere Angebote für Familien oder auch erwachsene Taufwillige machen, werden diese auch wahrgenommen“, sagt Superintendent Christian Weyer vom Kirchenkreis Saar-West. So habe beispielsweise die Versöhnungskirchengemeinde Völklingen durch die Ausrichtung eines Tauffests am Köllerbach die Zahl der Taufen vervierfachen können. An diesen Erfolg wolle man anknüpfen. Für das Jahr 2025 sind im Saarland bereits vier evangelische Tauffeste unter freiem Himmel geplant. Auch Segensangebote, etwa für werdende Mütter (23. Mai, Völklingen), und Glaubenskurse wird es geben.

Kirchenaustritte steigen gegen den Bundestrend

Weniger erklärbar ist dagegen die Entwicklung der Kirchenaustrittszahlen. Entgegen des Bundestrends steigen im Saarland die Zahlen der Kirchenaustritte noch an. So traten 2024 im Kirchenkreis Saar-Ost 691 Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Das sind 45 Personen oder rund 7 Prozent mehr als noch 2023 (646). Im Kirchenkreis Saar-West stieg die Zahl der Austritte sogar sprunghaft um 22 Prozent von 1.230 (2023) auf 1.499 (2024) an. Bundesweit sind dagegen die Zahlen der aktiven Kirchenaustritte von 375.901 (2023) auf 345.000 (2024) gesunken (minus 8,2 Prozent).

„Die Ergebnisse der ForuM-Studie haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, dass die Austrittszahlen im ersten Quartal höher ausgefallen sind“, sagt Superintendent Markus Karsch vom Kirchenkreis Saar-Ost. Die Studie hatte Ende Januar 2024 strukturelle Mängel in Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche und der Diakonie zum Ausdruck gebracht. Das allein erkläre die höheren Austrittzahlen übers Jahr gesehen aber nicht. Weiterhin gebe es langfristige Tendenzen zum Kirchenaustritt im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung. „Wer keinen unmittelbaren Vorteil, sondern eher einen finanziellen Nachteil in der Mitgliedschaft für sich sieht, tritt aus“, so Karsch. Dieser Trend lasse sich insbesondere im großstädtischen Bereich beobachten.

„Jeder Austritt schmerzt uns, weil wir dadurch auch weniger Menschen werden, die sich im kirchlichen Rahmen für das Allgemeinwohl einsetzen können“, bedauert Karsch die Entwicklung, kündigt aber auch an: „Wir möchten künftig mehr denn je daran arbeiten, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und mit unseren Angeboten wieder bei mehr Menschen die Relevanz von Kirche für das eigene Leben und für die Gesellschaft vor Augen führen.“

Mitgliedszahlen insgesamt im Bundesdurchschnitt gesunken

Insgesamt bewegt sich die bereinigte Reduktion der Kirchenmitgliedszahlen in beiden Saar-Kirchenkreisen ungefähr um den Bundesschnitt von 3,2 Prozent. So waren zum 1. Januar 2025 im Kirchenkreis Saar-Ost noch 44.122 Kirchenmitglieder (minus 3,1 Prozent) und im Kirchenkreis Saar-West 65.580 (minus 3,6 Prozent). Die beiden Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland decken zusammen ungefähr vier Fünftel der Fläche des Saarlandes ab.

 

 

Der Evangelische Kirchenkreis Saar-West gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland. Er erstreckt sich von Rilchingen-Hanweiler im Süden entlang der Saar bis nach Perl im Westen und bis Lebach und Wadern im Norden des Saarlandes. Derzeit leben dort rund 65.580 Protestanten in 20 Gemeinden. Sitz der Superintendentur ist Saarbrücken. Superintendent ist derzeit Pfarrer Christian Weyer.

Der Evangelische Kirchenkreis Saar-Ost erstreckt sich von St. Wendel über Ottweiler und Neunkirchen bis nach Dudweiler in die Landeshauptstadt Saarbrücken hinein. Im Kirchenkreis leben aktuell rund 44.120 Gemeindeglieder in vier Gesamtkirchengemeinden. Sitz der Superintendentur ist Saarbrücken. Superintendent ist derzeit Pfarrer Markus Karsch.

 





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